Donnerstag, 6. Januar 2011

[REZENSION] "Der Menschenräuber"

Die Autorin
Sabine Thiesler, geboren und aufgewachsen in Berlin, studierte Germanistik und Theaterwissenschaften. Sie arbeitete einige Jahre als Schauspielerin im Fernsehen und auf der Bühne und schrieb außerdem erfolgreich Theaterstücke und zahlreiche Drehbücher fürs Fernsehen (u.a. Das Haus am Watt, Der Mörder und sein Kind, Stich ins Herz und mehrere Folgen für die Reihen Tatort und Polizeiruf 110). Bereits mit ihrem ersten Roman Der Kindersammler stand sie monatelang auf der Bestsellerliste. Ebenso mit den beiden folgenden Büchern Hexenkind und Die Totengräberin.

Produktinformation
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Gebundene Ausgabe: 464 Seiten
Verlag: Heyne Verlag (24. Mai 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3453266315
ISBN-13: 978-3453266315
Größe und/oder Gewicht: 21,8 x 14,5 x 4,3 cm


Leseprobe
Quelle: Randomhouse  *hier gibts mörderische Spannung*



Die Geschichte...
Quelle: Amazon
Die junge Kunststudentin Giselle wird am helllichten Tag von einem betrunkenen Autofahrer überfahren und tödlich verletzt. Ihr Vater Jonathan, ein erfolgreicher Fotograf und Medienmanager, kommt über ihren Tod nicht hinweg und rutscht ab in Alkoholismus, Depression und Verwahrlosung. Daran zerbricht auch seine Ehe und so fährt er Anfang November 2001 ohne

In einer Novembernacht fährt Jonathan einfach los. Ohne Ziel, ohne Geld und ohne Hoffnung. Er strandet in einer heruntergekommenen Ferienwohnung einer Bauernfamilie in der Toskana. Als Jonathan aber deren blinde Tochter Sophia kennenlernt, ist er bis ins Mark schockiert: Auf geradezu unheimliche Art gleicht sie seiner toten Tochter. Jonathan bleibt in Italien, findet neuen Lebensmut und heiratet Sophia. Aus dem abgewirtschafteten Gehöft machen die Beiden ein luxuriöses Feriendomizil. Doch eines Tages verbringen Gäste aus Deutschland dort ihren Urlaub, und als Jonathan erkennt, wer sich da eingemietet hat, erwachen erneut sein Hass und seine Rachegefühle. Er übt tödliche Vergeltung, aber das ist ihm noch nicht genug...


Meine Meinung:
Wieder einmal entführt uns Sabine Thiesler in die Toskana. In "Der Menschenräuber" erzählt sie die Geschichte von Jonathan Jessen, der nach dem Tod seiner geliebten Tochter Gisella den Halt verliert und ohne jegliches Ziel einfach nur aus Berlin fort will. Durch einen Zufall landet er in der Nähe von Ambra und in der heruntergekommenen Pension von Riccardo Valentini findet er ein Zimmer. Eigentlich will er nicht dort bleiben, doch als er die Tochter des Hauses sieht, überlegt es sich Jonathan anders. Denn die blinde Sofia ist das Ebenbild seiner verstorbenen Tochter Giselle. An der Seite von Sofia beginnt Jonathan ein neues Leben, doch die Vergangenheit holt ihn ein...
**Achtung SPOILER** Zum Lesen bitte Text markieren
Denn im frisch umgebauten Feriendomizil steigt ein Ehepaar aus Deutschland ab und als der Vermieter Engelbert Kerner (den Richter, der Tobias Altmann, den Mörder seiner Tochter Giselle freigesprochen hat) erkennt, ist es um Jonathan geschehen. Er übt Rache an Engelbert und auch an Tobias...

Das Buch wird grob in die Kapitel Giselle, Tobias, Engelbert  und Jonathan unterteilt.

2001 beginnt "Der Menschenräuber" und endet 2007. 
In mehreren Handlungssträngen wird uns die unfassbare Geschichte von Jonathan Jessen geschildert: der Abstieg nach Giselles Tod, das Leben in Italien und die dunklen Gefühle, wie Trauer, Zorn und Hass. Entgeistert erlebt der Leser mit, welche Spur aus Zerstörung und Böswilligkeit Jonathan hinterlässt...

"Der Menschenräuber" wird größtenteils aus der Perspektive von Jonathan erzählt, aber auch Sofia, Donato Neri oder Sofias Vater teilen uns zwischendurch ihre Erlebnisse und Gedanken mit.

Die Protagonisten wirken überzeugend und authentisch und es ist faszinierend, mitzuerleben, wie sich Jonathan in ein Netz aus Selbsttäuschung, Verbitterung und Lügen verstrickt. Kommissar Neri und seine Frau Gabriella, die wir bereits aus den letzten Thiesler-Büchern kennen, spielen hier ebenfalls wieder eine kleine Nebenrolle.

Einige Nebencharaktere hätte die Autorin ruhig weglassen können, da sie nur oberflächlich mit der Geschichte zu tun haben, aber das war auch bereits bei "Die Totengräberin" der Fall.

Trotz allem kann man den spannenden Begebenheiten mühelos folgen und die eingestreuten italienischen Begriffe verleihen der Geschichte Urlaubsflair und machen Lust auf einen Italienurlaub (allerdings ohne einen Jonathan :)).


Die Autorin versteht es, die Landschaftsbeschreibungen und schöne Anwesen der Valentinis (der Familienname von Sofia) sehr bildhaft zu beschreiben und durch den fesselnden Schreibstil  lässt sich dieser Psychothriller rasant lesen.

Manche Szenarien konnte ich allerdings nicht nachvollziehen (und hätte sie anders gelöst), aber bis auf ein paar überflüssige Passagen gibt es sonst wenig Beschwerden in punkto Spannung oder Handlungsverlauf. In der Geschichte kommen etliche falsche Fährten und überraschende Wendungen, die wenig vorhersehbar sind.


FAZIT:
Abermals hat mich Sabine Thiesler mit ihrem neuesten Werk unterhalten. "Der Menschenräuber" kann einen gut ausgearbeiteten Plot, einen fesselnden Schreibstil und überzeugende Protagonisten sein Eigen nennen. Für diesen Psychothriller gibt´s von mir (von 5) Punkte.

Kommentare:

  1. Hmm mir hat das Buch nicht so gut gefallen. Ich habe bisher alle Bücher von Sabine Thiesler gelesen und fande das mit Abstand das schwächste. Ich fande es teilweise so unrealistisch, wie ein Mord einfach so übersehen werden kann und auch das Ende fand ich irgendwie schlecht. Ich hab mich echt geärgert, dass ich das Buch im Hardcover gekauft habe ;) Naja da sieht man wieder wie unterschiedlich Meinungen sein können :)

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  2. Hallo Caro!

    Ich muss noch "Der Kindersammler" lesen und dann sind die Thiesler-Bücher komplett.

    Grad das Ende fand ich wiederum ganz gut, nur ärgert mich ein wenig, dass sich ihre Bücher schon sehr gleichen. Immer die Toskana, immer eine völlig wahnsinnige Hauptperson...

    Mich wundert öfters, wie sehr die Meinungen zu einem Buch auseinander gehen können. Aber es ist ganz gut, dass jeder seine eigene Meinung vertritt. ;)

    Lg, Sabine

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  3. Liebe Sabine,
    "Der Kindersammler" war mein erstes Buch von Sabine Thiesler. Ich fand es mit Abstand am Besten :) Bin gespannt, wie es dir gefällt, wenn du es mal liest :) Ja stimmt schon, ihre Bücher sind wirklich immer sehr ähnlich, aber wenn man sich genügend Zeit zwischen den einzelnen Büchern lässt, ist die Toskanaatmosphäre super :)

    Ich finds gut, dass nicht immer alle die gleiche Meinung haben, das wäre ja echt langweilig :P

    Liebe Grüße & ein schönes Wochenende
    Caro

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  4. Mir hat auch "Der Kindersammler" am Besten gefallen, aber es war auch mein erstes Buch von Sabine Thiessler. Ich brauch jetzt mal eine Thiessler-Pause ;), denn wie schon oben besprochen spielen alle Ihre Bücher in der Toskana und auch der Handlsungsort ist sich sehr ähnlich....mir fehlt jetzt noch "Die Totengräberin".
    Liebe Grüße
    Martina

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  5. Hallo!

    @Caro: "Der Kindersammler" hab ich bisher immer aufgeschoben, weil ihn Nicki (Nicki´s Wortgefechte) nicht so prickelnd fand und auf deren Urteil kann ich mich eigentlich immer verlassen.
    Jedenfalls will ich "Der Kindersammler" bald lesen und mir selbst eine Meinung bilden. :)

    Da muss ich dir recht geben: Gottseidank gibt es verschiedene (Buch-) Geschmäcker und Meinungen, sonst wäre es wirklich langweilig.

    @Martina: Den Schauplatz finde ich generell super, nur ist es halt irgendwie dauernd das Gleiche...
    Bin schon mal auf deine Meinung zum letzten Thiesler-Werk gespannt (wenn du es nach deiner Pause liest).

    Liebe Grüße an euch alle & einen wunderbaren Samstag!
    Sabine

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Ich freue mich sehr über (ernstgemeinte) Kommentare zu meinen Posts. Immer heraus mit eurer Meinung...

Büchersüchtige Grüße,
Sabine