Montag, 21. Mai 2012

[REZENSION] "Sensenmann" (Band 2)

Cover
Die Autorin
Claudia Puhlfürst, Jahrgang 1963, stammt aus Zwickau, wo sie nach wie vor lebt. Ihr Spezialgebiet ist die Humanethologie (menschliches Verhalten), insbesondere die nonverbale Kommunikation. Wenn sie nicht gerade schreibt, arbeitet sie als Schulberaterin für den Duden Schulbuchverlag. Zudem ist sie Organisatorin der Ostdeutschen Krimitage, Mitglied im Syndikat und bei den Mörderischen Schwestern, dem deutschen Ableger der amerikanischen Sisters in Crime.

Produktinformation
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Taschenbuch: 448 Seiten
Verlag: Blanvalet Taschenbuch Verlag (21. Juni 2011)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442373557  / ISBN-13: 978-3442373550
Größe und/oder Gewicht: 18,6 x 11,8 x 4 cm

Leseprobe
Quelle: Randomhouse  *klick*


Die Geschichte...
Bei Sanierungsarbeiten eines ehemaligen Kinderheims auf der Kanalinsel Jersey werden Knochenteile gefunden und damit die dunkle Vergangenheit der Erziehungsanstalt, die aus Einzelhaft, Schlägen, Folter und Vergewaltigungen bestand, aufgerollt. Durch die Medienberichte werden in Matthias Hase alte, längst verschüttete Erinnerungen an seine eigene Kinderheim-Zeit wach - und nun ist er der Meinung, dass die Verantwortlichen dafür zur Verantwortung gezogen werden müssen... Zeitgleich recherchiert die Journalistin Lara Birkenfeld im Fall einer rätselhaften Leiche, die in einem Plattenbau gefunden wurde. Und da ihr Kollege Tom Fränkel ihre Arbeit sabotiert und intrigiert, was das Zeug hält, hängt vom Erfolg dieser Zeitungsberichte Laras berufliche Zukunft ab. Und ausgerechnet jetzt fangen Laras unheilvolle Visionen wieder an...

Meine Meinung:
Den vielversprechenden Titel "Sensenmann" trägt der 2. Band der Lara Birkenfeld-Reihe. Auch wenn man, wie ich, den Vorgängerband "Ungeheuer" nicht kennt, stellt dies kein Problem dar, da immer wieder auf vergangene Ereignisse Bezug genommen wird. Die Handlung beginnt im Juli und dauert ein paar Wochen. Den Schauplatz hat die deutsche Autorin nach Leipzig verlegt.

Lara Birkenfeld ist bei der "Tagespresse" für Straftaten und Gerichtsberichterstattung zuständig. Die junge, hübsche Journalistin ist gut in ihrem Job und sehr ehrgeizig, was ihrem Kollegen Tom Fränkel ein Dorn im Auge ist. Was fast keiner weiß: Lara sieht Bruchstücke von aktuellen Verbrechen... Viel erfährt man auch über den 40-jährigen Matthias Hase, der im Zwickauer Ernst Thälmann-Kinderheim aufgewachsen ist und die Erinnerungen an diese furchtbare Zeit vollkommen verdrängt hat. Seine Gedanken und Gefühle schreibt er in Briefen an seine jüngere Schwester Mandy auf. Eine interessante Nebenrolle nimmt auch Mia Sandmann ein, die Lara im Gericht kennenlernt. Die Mitarbeiterin des Jugendamts hat immer wieder Flashbacks über ihre Vergangenheit im Kinderheim.

Während mir Lara gleich von Anfang an sympathisch war, lässt sich Matthias vor allem zu Beginn nur ungern in die Karten schauen und schwer einschätzen. Auch wenn ich nicht alle seiner Taten nachvollziehen konnte, kann man seine Handlungen bzw. den Antrieb doch verstehen. Die Protagonisten sind vielschichtige, eindrucksvoll ausgearbeitete Charaktere, die mit diversen Macken, Ecken & Kanten aufwarten und dadurch fast lebendig wirken. Weiters kann man sich wunderbar in die Figuren hineinversetzen bzw. mitfühlen, mitfiebern & mitleiden.

Als heikles Thema hat Claudia Puhlfürst Kindesmissbrauch in deutschen Kinderheimen gewählt, gut darüber recherchiert und die Ergebnisse in einen spannenden Thriller verarbeitet. Die Beschreibungen der Zustände in den früheren Erziehungsanstalten sind so schockierend und real, dass sich zartbesaiteten Lesern wahrscheinlich der Magen umdreht und man hofft, dass vieles nur der Fantasie der Autorin entsprungen ist.

Die unfassbaren Geschehnisse werden vorwiegend (in der 3. Person) aus der Sicht von Lara und Matthias erzählt, aber Mia, Laras Kollege Tom und der Psychologe Dr. Mark Grünthal kommen zu Wort zu berichten über die Begebenheiten aus ihrer Warte. In vielen Rückblenden reisen wir in die Vergangenheit des jeweiligen Erzählers und erfahren Schockierendes, wodurch wir die heutigen Vorkommnisse besser verstehen.

Manche Stellen wirken zwar ein klein wenig holprig und detailverliebt, was aber der Spannung keinen Abbruch tut. Vollgepackt mit falschen Fährten, Irrwegen und vielen Überraschungen zieht die Geschichte von "Sensenmann" die Leser in seinen Bann und lässt einen so schnell nicht mehr los. Lesen lässt sich dieser Thriller dank der spannungsgeladenen Schreibweise und der Kapitel in angenehmer Länge relativ schnell.

FAZIT:
"Sensenmann" ist für mich eine äußerst gelungene Mischung aus blutigem Thriller & nervenzerreißendem Psychothriller, der mir leichtes Herzrasen beschert hat - denn man kann kaum glauben, welch erschütternde Geschehnisse  Claudia Puhlfürst auf 448 Seiten präsentiert. Der 2. Band der Lara Birkenfeld-Reihe bietet dem Leser eine fesselnde Story mit etlichen Überraschungen, interessante Charaktere sowie einen packenden, flüssigen Schreibstil. Dafür vergebe ich 5 (von 5) Punkte und freue mich schon jetzt auf die Fortsetzung "Sündenkreis".



 
ZITAT Seite 142:
"Von Zeit zu Zeit schien es eine unerklärliche Verbindung zwischen ihrem Unterbewusstsein und in der Nähe stattfindenden Verbrechen zu geben." (Lara)

ZITAT Seite 224:
"Das Unterbewusstsein hält die Erinnerungen verschlossen, um sie nicht zu sehr damit zu belasten. Stellen sie sich das Ganze wie einen großen Apothekerschrank mit unzähligen kleinen Schubladen vor. In jeder Schublade liegt ein Teil der Vergangenheit. Manche können sie ganz einfach aufziehen, manche sind verriegelt, weitere sehen sie im Moment noch gar nicht. Ich nenne sie die "Geheimfächer". Zu den verschlossenen Schubfächern verwahrt ihr Unterbewusstsein die Schlüssel, aber es rückt sie nicht heraus." (Dr. Grünthal zu Mia Sandmann)

Kommentare:

  1. Na ich seh schon, du hast dein Beuteschema wieder gefunden. Hört sich sehr gut an.
    LG Petra

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  2. Hallo Sabine,

    es freut mich, dass dir das Buch genauso gut gefallen hat wie mir.

    Liebe Grüße

    Kerry

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  3. Vielen Dank für die Rezension, "Sensenmann" hört sich sehr vielversprechend an, aber ich fange dann doch -wenn ich dran denke- eher mit dem ersten Teil an. Irgendwie ärgere ich mich so oft darüber, dass ich ein tolles Buch kaufe und dann erst später beim lesen feststelle, dass es Teil einer Serie ist, und zwar natürlich nie der erste Teil. Oft kann man sie ja auch ohne den ersten Teil gelesen zu haben lesen, aber dafür ist meine Lesefreude dann ziemlich getrübt wenn ich den ersten Teil hinterher doch noch lese.

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  4. Huhu Sabine,
    danke für den Link zu deiner Rezi! Nun freu ich mich doch umso mehr auf das Buch!
    Werde mir jedoch noch "Ungeheuer" zulegen! Irgendwie kann ich das mit meinem Gewissen nicht vereinbaren nicht von vorne zu starten :)
    Liebe Grüße
    Steffi

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Ich freue mich sehr über (ernstgemeinte) Kommentare zu meinen Posts. Immer heraus mit eurer Meinung...

Büchersüchtige Grüße,
Sabine