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Montag, 10. Oktober 2016

[LESEEINDRUCK] "Er wird dich finden"

Cover
Er wird dich finden
Quelle: Random House
Die Autorin
Margaret Carroll wurde in New York City geboren, absolvierte ihr Studium an der George Washington University und war viele Jahre als Wirtschaftsjournalistin tätig. Als erfolgreiche Managerin für Öffentlichkeitsarbeit wurde sie mehrfach ausgezeichnet und arbeitete u.a. für British Airways in New York. Heute lebt sie mit ihrem Mann und ihrer kleinen Tochter in der Nähe von Detroit, Michigan. "Er wird dich finden" ist ihr dritter Roman.
 
Format: Kindle Edition
Dateigröße: 781 KB
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 433 Seiten
Verlag: Diana Verlag (2. Oktober 2009)
Sprache: Deutsch
ASIN: B004OL2G2Q
 
Leseprobe
Quelle: bic-media.com  *lies mich*
 
 
 
Die Geschichte...
Caroline und ihr Mann Porter, ein erfolgreicher Psychoanalytiker, führen nach außen hin ein wundervolles und sorgloses Leben, doch der Schein trügt. Denn die junge Ehefrau durchlebt an der Seite ihres psychopatischen Mannes ein unfassbares Martyrium und beschließt, ihrem alten Leben zu entfliehen. Und es scheint so, als wäre das Glück endlich einmal auf Carolines Seite, doch Porter versucht mit allen Mittel, sein Eigentum aufzuspüren...

Mein Leseeindruck:
"Er wird dich finden" habe ich bereits im Jahr 2010 gelesen und war davon total begeistert, wie man *hier* nachlesen kann. Die Story, die mehrere Wochen dauert und an einem heißen Septembermorgen beginnt, führt uns von Washington nach Storm Pass in Colorado.
"Er wird dich finden" enthält keine neue, aber dennoch faszinierende Romanidee mit gelungener Umsetzung. 

Hier steht die junge Caroline Hughes im Mittelpunkt. Caroline ist schätzungsweise Mitte bis Ende 20, zierlich und verängstigt, da sie von ihrem 15 Jahre älteren Ehemann Dr. Porter Moross sowohl körperlich als auch seelisch tyrannisiert wird. Der renommierte Psychoanalytiker leidet unter einem Kontrollzwang und sieht Caroline als sein Eigentum an. Als ihn seine viel jüngere Ehefrau verlässt, ist er wie von Sinnen und setzt alles daran, seine Frau zu finden...

Die Protagonisten sind interessante Persönlichkeiten mit einigen Facetten, Geheimnissen & Macken, ebenso wie die reizvollen Nebencharaktere, die sich gut ins Geschehen einfügen. Neben den Haupterzählern Caroline und Porter schildern auch einige Nebenfiguren die temporeichen Geschehnisse aus ihrer Sicht, was für Abwechslung sorgt. Man wird gleich in die Geschichte geworfen und bekommt hautnah mit, wie Caroline die Flucht vor ihrem Ehemann plant, erfährt wie sich kennengelernt haben und wie sich ihr Leben danach entwickelt hat.

Man fiebert, fühlt und leidet mit Caroline mit und hofft, dass sie sich ein neues Leben ohne Porter aufbauen kann. "Er wird dich finden" steht für Spannung am laufenden Band, denn man weiß nie, was als nächstes kommt. Die Story enthält neben bildhaften Beschreibungen ein fulminantes Ende und es hätte noch ruhig weitergehen können, denn "Er wird dich finden" zieht einen dank der mitreißenden Schreibweise unweigerlich in seinen Sog.

FAZIT:
"Er wird dich finden" ist ein rasanter Roman, der einen in die Abgründe der menschlichen Seele blicken lässt und für mich deshalb eher als Psychothriller durchgeht.  Da mir dieses Buch von Margaret Carroll spannende Lesestunden beschert hat, vergebe ich gern 5 (von 5) Punkte.



Freitag, 23. September 2016

[LESEEINDRUCK] "Und draußen stirbt ein Vogel"

Cover
Und draußen stirbt ein Vogel
Quelle: Random House
Die Autorin
Sabine Thiesler, geboren und aufgewachsen in Berlin, studierte Germanistik und Theaterwissenschaften. Sie arbeitete einige Jahre als Schauspielerin im Fernsehen und auf der Bühne und schrieb außerdem erfolgreich Theaterstücke und zahlreiche Drehbücher fürs Fernsehen (u.a. Das Haus am Watt, Der Mörder und sein Kind, Stich ins Herz und mehrere Folgen für die Reihen Tatort und Polizeiruf 110). Bereits mit ihrem ersten Roman Der Kindersammler stand sie monatelang auf der Bestsellerliste. Ebenso mit den beiden folgenden Büchern Hexenkind und Die Totengräberin.

Gebundene Ausgabe: 448 Seiten
Verlag: Heyne Verlag (11. Januar 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3453269683 / ISBN-13: 978-3453269682
Größe und/oder Gewicht: 13,5 x 4,3 x 22,1 cm
 

 
 

Leseprobe
Quelle: randomhouse.de  *lies mich*


Die Geschichte...
Quelle: Random House
Hasserfüllt beobachtet er die Autorin Rina Kramer bei ihrer Lesung. Jedes Wort von ihr macht ihn wütend. Sie hat ihn bestohlen, hat seine Ideen und Gedanken geraubt. Er reist ihr nach, findet sie in ihrem idyllischen Landhaus in der Toskana und mietet sich bei ihr ein. Wie ein harmloser Urlauber, aber besessen davon, sie zu vernichten...

Mein Leseeindruck:
Früher mochte ich die Thriller von Sabine Thiesler sehr und ich wollte ihr einfach noch eine Chance geben. Der Schauplatz wurde erneut größtenteils in die Toskana verlegt, was so eine Art Markenzeichen der Autorin ist. Die Handlungsdauer umfasst mehrere Wochen und endet mit dem Epilog 2 Wochen später. "Und draußen stirbt ein Vogel" enthält die bewährte Grundidee (ein deutscher Sadist/Psychopath treibt auch in der Toskana sein Unwesen), was mir schön langsam auf die Nerven geht.

Rina Kramer ist eine erfolgreiche deutsche Autorin, schätzungsweise Anfang bis Mitte 40, die die meiste Zeit in ihrem toskanischen Landsitz "Stradella" residiert und die Einsamkeit genießt. Doch was Rina nicht weiß: Es gibt einen scheinbar charmanten Mann namens Manuel Gelting, der einen unbändigen Hass auf Rina hat, da sie ihm seine Arbeit gestohlen haben soll. Und Manuel folgt der Autorin in die Toskana, wo er seinen Plan in die Tat umsetzen will...

Die Protagonisten sind nicht richtig greifbar, wirken etwas blass und agieren manchmal recht unglaubwürdig. Die Nebencharaktere wie Rinas Familie  (Rinas Mann Eckart, ihr 11-jähriger Sohn Fabian und ihre Mutter Martha) und diverse toskanische Dorfbewohner (darunter der altbekannte Canabieri Donato Neri, der hier ein kurzes Gastspiel gibt) können ebenfalls nicht wirklich punkten.

Erzählt werden die Geschehnisse von Rina, Manuel und vielen anderen Nebenfiguren in der 3. Person), in Rückblenden erfahren wir mehr über die Vergangenheit. Der neueste Roman von Sabine Thiesler kann mich leider nicht überzeugen, denn hier strotzt es trotz einiger spannender Stellen & allerlei Wirrungen nur so vor kleinen Längen, ausschweifenden, etwas unglaubwürdigen Beschreibungen und die Story verliert sich oftmals in Nebensächlichkeiten. Da können auch der bildhafte Schreibstil und die lebendigen Schauplatzbeschreibungen nichts mehr retten.

FAZIT:
"Und draußen stirbt ein Vogel" ist als Thriller eine klare Verfehlung, denn hier fehlt es an Hochspannung und Nervenkitzel. Stattdessen gibt es Unmengen an Nebenfiguren, Handlungssträngen und einer langatmigen Story. Thema verfehlt & letzte  Chance vertan, würde ich mal sagen. Sorry, aber dafür kann ich nicht mehr als 2 (von 5) Punkte vergeben.

*help*
 
 

Mittwoch, 21. September 2016

[LESEEINDRUCK] "Totenlied"

Cover
Totenlied
Quelle: Randomhouse
Die Autorin
Sie schreibt knallharte Thriller, unter die Haut gehende Krimis und gilt international als Meisterin der Spannung. Nach einem Medizinstudium und anschließender Tätigkeit als Internistin in Honolulu, Hawaii, schien ihre Laufbahn festgelegt. Während ihres Mutterschaftsurlaubs schrieb sie dann eine Kurzgeschichte, die sofort prämiert wurde. Damit stellten sich die Weichen ihres Lebens neu. Ihre Karriere als Medizinerin hat sie mittlerweile an den Nagel gehängt und ist „Vollzeitautorin“. Privat liebt sie es eher friedlich: Nach ihren Hobbys befragt, nennt sie Gartenarbeit und Musik. Gerritsen lebt mit ihrem Mann und ihren Söhnen in Camden, Maine.

Broschiert: 320 Seiten
Verlag: Limes Verlag (25. Juli 2016) / Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3809026700 / ISBN-13: 978-3809026709
Originaltitel: Playing with Fire
Größe und/oder Gewicht: 13,5 x 3 x 21,6 cm

 Leseprobe
Quelle: randomhouse.de   *lies mich*


Die Geschichte...
In einem Antiquitätengeschäft in Rom findet die Berufsmusikerin Julia ein altes Notenbuch mit Zigeunerweisen, das sie magisch anzieht. Darin befindet sich auch ein handgeschriebener, unbekannter Walzer namens "Incendio", der Julia völlig in seinen Bann zieht. Doch jedes Mal, wenn Julia dieses Stück auf ihrer Violine spielt, geschehen merkwürdige Dinge und ihre kleine Tochter scheint sich nicht zum Guten zu verändern. Als ihr niemand Glauben schenkt, beginnt Julia auf eigene Faust mehr über diesen beunruhigenden Walzer herauszufinden...

Mein Leseeindruck:
Tess Geritssen ein Garant für Spannungsliteratur und ich war auf diese Geschichte neugierig. Die Story, die sich in Italien bzw. in den USA abspielt, dauert mehrere Wochen und endet 8 Jahre später. "Totenlied" enthält eine interessante Grundidee (Musik, die auch noch nach langer Zeit Menschen inspiriert) mit solider Umsetzung.

Die 33-jährige Violinistin Julia Ansdell liebt Musik und ihren Beruf ebenso wie ihre Familie. Die hübsche Blondine mit den blauen Augen wohnt mit ihrem Mann Rob und ihrer 3-jährigen Tochter Lily in Brookline, Massachusetts und spielt in einem Frauenquartett die 2. Geige. Der Kauf eines alten Notenbuchs in Rom ändert das Leben von Julia von Grund auf... Ein weiterer Handlungsstrang beginnt in Venedig, kurz vor Ausbruch des 1. Weltkriegs und erzählt die Geschichte des Musik-Wunderkinds Lorenzo Todesco...

Julia und Lorenzo sind unterschiedliche, facettenreiche Protagonisten mit Potential, ebenso wie die reizvoll gestalteten Nebencharaktere, die sich trotz ihrer Vielzahl gut ins Geschehen einfügen. Die temporeichen Geschehnisse werden abwechselnd von der Ich-Erzählerin Julia (in der Gegenwart) und von Lorenzo (in der Vergangenheit bzw. in der 3. Person) erzählt.

Ein Thriller ist "Totenlied" für mich nicht, dafür fehlt es an Hochspannung, aber dennoch birgt der Plot eine rasante Story mit allerlei Wirrungen, die zwischendurch ein wenig spooky, aber auch berührend anmutet. Leider verliert die Geschichte mit zunehmendem Handlungsverlauf an Fahrt, enthält ausschweifende Schilderungen und gipfelt in einem Finale, dass mich unzufrieden zurücklässt. Abgerundet wird der Roman durch eine ausdrucksstarke Schreibweise und lebendige Beschreibungen.
 
FAZIT:
"Totenblick" fängt vielversprechend an, verliert allerdings mit der Zeit an Spannung und das abstruse Ende hat mich echt enttäuscht. Leider konnte das neuste Buch von Tess Gerritsen, das für mich kein Thriller ist, nicht ganz überzeugen und erhält deshalb von mir mit viel Augenzudrücken (und weil es Tess Gerritsen ist) 3 (von 5) Punkte.

*help*

 
 "Incendio" wurde von Tess Gerritsen komponiert

 

Sonntag, 19. Juni 2016

[REZENSION] "Unter uns nur Wolken"

Für die Zusendung dieses Rezensionsexemplars bedanke ich mich ganz herzlich bei den sympathischen Autorinnen Rose Snow.

Cover
Cover_Unter uns nur Wolken_dunkel_final
Quelle: Rose Snow
Die Autorinnen
Hinter dem Pseudonym Rose Snow stecken wir, Carmen und Ulli. Zusammen sind wir 70 Jahre alt, haben 2 Männer, 6 Kinder und einen Hund. Wir können ewig reden, lieben Pizza und Schokolade und lachen unheimlich gerne, vor allem über uns selbst. Seit dem Sommer 2014 schreiben wir lustig-schräge Liebesromane und gefühlvolle Fantasy – außerdem ist ein Jugendroman bei cbj in Vorbereitung. Kühn nachgerechnet sind wir schon seit unfassbaren 21 Jahren befreundet. Wir kennen uns aus unserer Schulzeit und schreiben trotz der Distanz Wien – Hamburg miteinander. Bedeutet: Unzählige Stunden via Skype, schallendes Gelächter und das Teilen tiefster Geheimnisse, auch wenn sie noch so peinlich sind.

*Produktinformation*
Format: Kindle Edition / Dateigröße: 511 KB
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 189 Seiten
Sprache: Deutsch
ASIN: B01H4P2W72

Leseprobe
leider keine gefunden


Die Geschichte...
Tom hat es nicht leicht: Sein geliebter Großvater Florian ist an Alzheimer erkrankt und Tom ist deshalb sogar zu ihm gezogen. Und da Toms Bar nicht besonders gut läuft, engagiert er für seinen Großvater eine Pflegekraft, doch Florian schafft es, jede zu vergraulen. Zufällig erfährt Ani, die dringend einen Job und eine Wohnung braucht, von der freien Stelle als Pflegehelferin und bekommt auch den Job, obwohl sie dafür eigentlich gar nicht qualifiziert ist. Ani versucht ihr Bestes, doch Florian stellt ihre Geduld auf eine harte Probe...

Meine Meinung:
Seit den Süße Rache-Büchern bin ich ein Fan der beiden Schriftstellerinnen aus Wien und Hamburg. Hier schlägt das Autoren-Duo zwar einen ernsteren Ton an, aber ihr Herzensprojekt ist Carmen und Ulli sehr gut gelungen. Der Handlungsschauplatz wird nicht explizit genannt und ist auch nicht wirklich von großer Bedeutung, aber ich tippe mal auf eine Stadt in Deutschland. Die Handlungsdauer umfasst mehrere Wochen.

Thomas "Tom" Hartmann ist schätzungsweise Anfang 30 und Besitzer einer Bar, die derzeit nicht besonders gut läuft, weshalb er jeden Abend selbst hinter der Bar steht. Der große, schlanke Mann mit der dunklen Stimme befindet sich am Rande seiner Belastbarkeit, da sein Opa Florian, den er über alles liebt, dement ist und ihm das Leben ungewollt schwer macht. Florian Hartmann wohnt gemeinsam mit seinem Enkel Tom in einer schönen, großen Altbauwohnung und ist an Alzheimer erkrankt, weshalb der grauhaarige Mann immer unter Aufsicht sein sollte. Doch der ehemalige Polizist treibt jede Pflegekraft in den Wahnsinn, weshalb der Verschleiß recht hoch ist. Als es wieder mal soweit ist und die Hartmanns nach einer neuen Pflegerin suchen, führt das Schicksal die Endzwanzigerin Anika zu ihnen. Die hübsche und schlanke Anika "Ani" Bayer braucht dringend Geld, eine Arbeit und eine Wohnung, da sie wegen ihres untreuen Freundes aus der Wohnung ausgezogen ist und es beruflich nicht wirklich gut läuft. Wie durch ein Wunder bekommt die gutherzige und schlagfertige Frau trotz der fehlenden Qualifikation den Job, obwohl es täglich neue Hürden zu überwinden gibt und sich das Zusammenleben alles andere als einfach gestaltet...

Mit Ani, Tom und Florian treffen drei unterschiedliche Protagonisten aufeinander, die einem auf Anhieb sympathisch sind und mit vielen Facetten, Ecken & Macken ausgestattet wurden. Die Autorinnen beschreiben das Leben mit Alzheimer so, als würden sie genau wissen, wie es sich anfühlt, mit einem dementen Menschen zusammenleben, der jeden Tag ein Stück seiner Persönlichkeit verliert.

Damit wären wir auch schon bei dem ernsten und wie mir scheint, allgegenwärtigen Thema Demenz. Ich habe selbst schon Erfahrungen damit gemacht und es ist echt schlimm, mitzuerleben, wie diese Krankheit einen geliebten Menschen verändert und ihm seine Erinnerungen und einen Teil seiner Persönlichkeit nimmt. Wenn man nicht weiß, was man 5 Minuten zuvor gemacht hat, seine Verwandten nicht irgendwann mehr kennt und man sich am Ende nicht mal an seinen eigenen Namen erinnern kann...

Erzählt wird die traurig-schöne Geschichte abwechselnd aus der Sicht der Ich-Erzähler Ani und Tom, die uns an ihren Gedanken & Gefühlen teilhaben lassen, wodurch man mit ihnen mitleidet und mitfühlt. "Unter uns die Wolken" hat das seltene Kunststück vollbracht und mich gleichzeitig zum Weinen als auch zum Lachen gebracht.

"Unter uns nur Wolken" ist eine berührende Geschichte mit Höhen & Tiefen, die diese Krankheit leider mit sich bringt. Dennoch birgt die Story neben traurigen Passagen auch einige amüsante Szenen, bei denen ich lachen musste und zieht einen auch nicht hinunter. Man weiß -ebenso wie bei dementen Menschen- nie, was als nächstes passiert und es ist fühlbar, dass in dieser Geschichte viel Herzblut steckt.


Abgerundet wird der Roman durch die emotionsgeladene, sensible Schreibweise gepaart mit einer angenehmen Sprache und unterhaltsamen Dialogen. Dadurch fliegt man nur so durch die 189 Seiten und ich habe dabei auch einige Taschentücher verbraucht.
 
FAZIT:
"Unter uns die Wolken" lässt sich als bewegendes und aufwühlendes Buch beschreiben, das auch zum Nachdenken anregt und trotz des ernsten Themas wirklich gut unterhält. Hier habe ich rein gar nichts zu kritisieren (was bei mir auch selten vorkommt) und vergebe dafür liebend gern 5 (von 5) Punkte!
 
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Mittwoch, 15. Juni 2016

[MINI-REZENSION] "Böse Leute"

Cover

Quelle: dtv
Die Autorin
Dora Heldt, 1961 auf Sylt geboren, lebt heute in Hamburg. Die gelernte Buchhändlerin ist seit 1992 als Verlagsvertreterin unterwegs und zählt zu den erfolgreichsten deutschen Autorinnen. All ihre Romane wurden zu Bestsellern und bereits in sechs Sprachen übersetzt.

*Produktinformation*
Taschenbuch: 448 Seiten
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (19. Februar 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3423260874
ISBN-13: 978-3423260879
Größe und/oder Gewicht: 13,9 x 3,5 x 21,4 cm

Leseprobe
Quelle:  dtv.de  *lies mich*
  

 

Die Geschichte...
Auf der malerischen Insel Sylt wird erneut in die Villa einer alleinstehenden, einheimischen Dame eingebrochen und die hiesige Polizei steht vor einem Rätsel. Das kann pensionierte Revierleiter Karl Sönnigsen nicht auf sich beruhen lassen und stellt auf eigene Faust Ermittlungen an, was seinem Nachfolger gar nicht gefällt. Doch Karl lässt sich nicht beirren und sucht gemeinsam mit seinen Chor-Mitsängern Inge, Charlotte und Onno nach einer heißen Spur. Und dazu gehört auch Kaffee, Eierlikör und Kuchen...

Meine Meinung in Kurzfassung:
Kauf-/Lesegrund: Da ich die Reihe um Christine und Papa Heinz gern mag, musste ich auch "Böse Leute" lesen, in denen sie am Rande vorkommen.

Reihe: Einzelband

Handlungsschauplatz: Die Story spielt sich in Sylt und Umgebung ab.

Handlungsdauer: beginnt Anfang Mai, dauert ein paar Tage und endet ein halbes Jahr später (in Zahlen)

Hauptpersonen: Karl Sönnigsen ist ein pensionierter Inselpolizist, der sich im Ruhestand unterfordert fühlt. Deshalb nimmt der ehemalige Sylter Revierleiter an den Ermittlungen im Villeneinbruch Anteil, was im Polizeirevier nicht immer Anklang findet. Karl ist der beste Freund von Onno Thiele, der seit dem Tod seiner Frau Gerda allein lebt, seine verstorbene Frau sehr vermisst und seitdem immer wunderlicher wird. Das bereitet seiner 38-jährigen Tochter Maren Thiele Sorgen, weshalb sich die Polizeiobermeisterin nach einer gescheiterten Beziehung von Münster nach Sylt versetzen lässt und ganz in der Nähe ihres Vaters bzw. ihres Patenonkels Karl wohnt. Doch in ihrer alten Heimat begegnet sie ihrem Kollegen Robert Jensen wieder, mit dem sie auf einer Tagung einen One Night-Stand hatte. Außerdem sind die Schwägerinnen und Chorschwestern Inge Müller (Frau des pensionierten Finanzbeamten Walter und Mutter von Christine) und Charlotte Schmidt (Frau des besserwisserischen Heinz und Strohwitwe, da Walter und Heinz zu Besuch bei Christine sind) mit von der Partie und beteiligen sich, gemeinsam mit Karl und Onno, an den eigenmächtigen Nachforschungen, da nach Karls Meinung die Polizei nichts auf die Reihe bekommt... Die unterschiedlichen Protagonisten sind sympathische Persönlichkeiten mit vielen Macken und Kanten.

Nebenfiguren: Hier treffen wir auf einige alte Bekannte aus vergangenen Romanen, aber auch auf Neuzugänge. Die mitwirkenden Nebencharaktere sind trotz ihrer Vielzahl durchwegs reizvolle Charaktere, die sich gut in die Handlung einfügen.
 
Romanidee: Nette Grundidee mit solider Umsetzung

Erzählperspektiven: Neben dem Ermittler-Quartett Karl, Onno, Charlotte und Inge schildern auch andere Figuren wie Maren oder die extravagante Sina Holler die turbulenten Geschehnisse aus ihrem jeweiligen Blickwinkel (in der 3. Person).

Handlung: "Böse Leute" birgt eine unterhaltsame Geschichte mit verschiedenen Erzählperspektiven und miteinander verwebenden Handlungssträngen sowie allerlei Wirrungen, Turbulenzen und Stolpersteine. Allerdings sind mir hier für einen Kriminalroman zu wenig Ermittlungsarbeit und zu viel Drumherum enthalten. Die Story rund um das Ermittler-Kleeblatt ist für meinen Geschmack ein wenig zu vorhersehbar, verzettelt sich in Nebensächlichkeiten und wurde sehr ausschweifend geschildert. Den Täter hatte ich auch schon frühzeitig erraten, aber dennoch gibt es einige sehr unterhaltsame Szenarien.

Schreibstil & Co: Abgerundet wird die Geschichte durch die locker-leichte Schreibstil von Dora Heldt und die teilweise recht amüsante Dialoge.
 
FAZIT:
"Böse Leute" ist leider nicht der beste Roman von Dora Heldt und für mich alles andere als ein Krimi, dafür fehlt es mir an Spannung und Polizeiarbeit. Trotz aller Mankos lässt sich "Böse Leute" recht schnell lesen und sorgt für kurzweilige Unterhaltung. Deshalb bekommt das neueste Buch von Dora Heldt 3 1/2 (von 5) Punkte.
 

Dienstag, 26. April 2016

[REZENSION] "Willkommen in Night Vale"

Für dieses Rezensionsexemplar bedanke ich mich sehr herzlich bei Blogg dein Buch und beim Klett-Cotta Verlag.

Cover

Buchdeckel „978-3-608-96137-9
Quelle: Klett-Cotta
Die Autoren
Joseph Fink und Jeffrey Cranor, die Autoren des Kult-Podcasts „Welcome to Night Vale“ und der gleichnamigen Live-Tour, arbeiten schon seit Jahren erfolgreich zusammen. Fink, der Erfinder der Story, gründete bereits in jungen Jahren einen Kleinverlag. Cranor, der Theatermann, legte ihm die Idee zu einem Stück über eine Zeitreise vor – sie erarbeiteten es gemeinsam und führten die Zwei-Mann-Show 2011 (im New Yorker East Village) auf. Night Vale, Finks neues Projekt, reifte in beider Zusammenarbeit heran, und die erste von inzwischen über 40 Folgen „Welcome to Night Vale“  entstand. Joseph Fink stammt ursprünglich aus Kalifornien, lebt heute jedoch woanders.

*Produktinformation*
Gebundene Ausgabe: 378 Seiten / Verlag: Klett-Cotta; Auflage: 1 (19. März 2016) / Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3608961372 / ISBN-13: 978-3608961379
Originaltitel: Welcome to Night Vale
Größe und/oder Gewicht: 14,3 x 3,8 x 22,1 cm   
 

Leseprobe
Quelle: klett-cotta.de  *lies mich*

Die Geschichte...
Die amerikanische Kleinstadt Night Vale liegt irgendwo in der Wüste und ist keine normale Stadt, denn hier sind Engel, Geister, Gestaltwandler und ein nachdenkliches Haus an der Tagesordnung. Hier lebt auch Jackie Fierro, die schon ewig das örtliche Pfandhaus führt und die seltsamsten Dinge kauft bzw. verkauft. Doch als eines Tages ein fremder Mann im Pfandhaus einen Zettel verpfändet, auf dem "King City" steht, gerät Jackies Alltag in Unordnung, denn Jackie wird das mysteriöse Papier nicht mehr los. Also versucht sie herauszufinden, was es mit "King City" auf sich hat und erhält dabei Hilfe von der Angestellten Diane Crayton. Die beiden Frauen beginnen ihre Suche in der Bibliothek, doch dort ist es sehr gefährlich...
 
Meine Meinung:
Das außergewöhnliche Cover und der schräge Klappentext haben mich dazu verleitet, mir "Willkommen in Night Vale" näher anzusehen. Dieser Roman basiert auf einem Podcast, den ich leider nicht kenne und irgendwie beschleicht mich das Gefühl, dass man sich ohne Vorwissen mit dem Buch schwer tun könnte, so wie es bei mir leider der Fall war. Außerdem habe ich erst später die toll aufgemachte Seite zu "Willkommen in Night Vale" gefunden, die ich mir vielleicht besser vor dem Lesen angesehen hätte...
 
Handlungsschauplatz ist eine kleine, verschlafene Wüstenstadt namens Night Vale, die im Südwesten der USA liegt und recht merkwürdig zu sein scheint. Dort sind Todesfälle an der Tagesordnung, es gibt Wesen wie Engel, Geister und Aliens, einen Radiosender, eine gefährliche Bibliothek, Ufos und ein Haus (das von Diane und ihrem Sohn Josh) mit eigenen Gedanken. Außerdem sind manche Dinge wie z.B. Computer, Schreibgeräte oder Weizenprodukte streng limitiert und es regiert die Geheimpolizei. Im Laufe der Geschichte lernt man die Stadt mit all seinen Eigenheiten ziemlich gut kennen.

Jackie Fierro betreibt seit das namenslose Pfandhaus in Night seit langer Zeit und ist seitdem auch stets 19 Jahre jung (hinter das Geheimnis, warum das so ist, bin ich leider nicht gekommen) und verlangt für alles, was sie kauft wie z.B. Tränen oder kitschige Plastikflamingos, genau 11 Dollar. Als sie von einem Fremden ein Stück Papier mit den Worten "King City" in ihrem Laden annimmt, ändert sich ihr geordnetes Leben auf einen Schlag, denn so sehr sie ihn versucht loszuwerden, desto mehr verfolgt sie der Zettel mit den geheimnisvollen Worten. In dieser Phase begegnet sie Diane Crayton, die ebenfalls in Night Vale lebt. Die alleinerziehende Mutter des 15-jährigen Gestaltwandlers Josh hat es nicht immer leicht mit ihrem Sohn, da er ständig sein Äußeres wechselt und gerade in einer schwierigen Phase steckt. Diane ist schätzungsweise Mitte bis Ende 30 und verwaltet äußerst gewissenhaft die Datenbank ihrer Firma, von der Diane gar nicht genau weiß, was sie verkauft. Doch irgendwann kommt es Diane eigenartig vor, dass ihre Chefin, die panische Angst vor Spinnen hat, die Vogelspinne in ihrem Büro nicht sieht und dass sich niemand in der Firma an ihren Kollegen Evan, der sich krank gemeldet hat, erinnern kann. Auch sie kommt mit den Worten "King City" in Berührung und versucht gemeinsam mit Jackie herausfinden, was sich wohl dahinter verbirgt...

Jackie und Diane sind interessante Protagonisten mit einigen Facetten und Macken, mit denen man sich auf eine ereignisreiche Reise begibt. Allerdings konnte ich nicht alle Handlung der Hauptpersonen nachvollziehen und mich auch nicht ganz mit ihnen identifizieren. Auch die unzähligen Nebenfiguren wie Dianes Teenager-Sohn Josh, der auch schon mal die Gestalt einer Pferdebremse, Spinne oder Blumenvase annimmt; der klatschsüchtige Radiomoderator Cecil, sein Lebensgefährte und ernsthafter Wissenschaftler Carlos, die Engel, die allesamt Erika heißen, sind nicht minder skurril gestaltet und sorgen dafür, dass mir nach einiger Zeit der Kopf geraucht hat.

Am allerbesten hat mir da die Figur von Josh gefallen, der z.B. in seiner Gestalt als Wolfsspinne das Autofahren beigebracht bekommen möchte und dem die Pubertät das Leben ziemlich schwer macht. Die Charaktere wurden durchaus reizvoll gestaltet, doch die zahlreichen Nebenfiguren sorgen nur unnötig für Ablenkung. *Hier* erfährt man übrigens mehr über die Bewohner von Night Vale.

"Willkommen in Night Vale" enthält eine originelle Romanidee, deren Umsetzung mich allerdings nicht umgehauen hat, was vielleicht auch an meinem mangelnden Vorwissen liegt. Erzählt werden die rasanten Geschehnisse vorwiegend aus der Sicht von Jackie und Diane (in der 3. Person), zwischendurch lernen wir durch die Auszüge aus Cecils Radiosendung (Die Stimme von Night Vale) die Bewohner der Wüstenstadt näher kennen, was für Abwechslung sorgt.

Mein erster Roman des amerikanischen Autoren-Duos wartet mit einer abgedrehten Story auf, die mit einem Feuerwerk an fantasievollen Elementen mit einem Schuss Science Fiction, Wirrungen und Turbulenzen vollgepackt wurde. Leider birgt die abenteuerliche Geschichte rund um Jackie und Diane auch etliche Längen und sehr detaillierte Schilderungen, was den Lesefluss bremst. Wegen der Unmengen an Nebencharakteren, den unzähligen Anekdoten rund um Night Vale (eine Popcornmaschine, die man nicht berühren sollte, blutrünstige Bibliothekare oder unsichtbare Spinnen) und bizarren Ereignissen lassen sich die 378 Seiten nicht gerade schnell lesen, da man genau aufpassen muss, um ja nichts zu verpassen, was vielleicht wichtig sein könnte.

Durch die vielen begeisterten Stimmen im Vorfeld hatte ich an "Willkommen in Night Vale" hohe Erwartungen, die sich leider nicht ganz erfüllt haben. Die Geschichte ist anfangs recht interessant, doch die Spannung lässt irgendwann nach und das Ende hatte ich mir auch anders vorgestellt. Komplettiert wird der Plot durch einen eigenwilligen, leicht ermüdenden Schreibstil, teilweise amüsanten Dialogen und einer leicht mysteriösen Atmosphäre.

FAZIT:
"Willkommen in Night Vale" ist kein alltägliches Buch, dennoch hatte ich mir mehr davon erwartet und mir die ganze Geschichte deutlich spektakulärer vorgestellt. Die Geschichte enthält einige originelle Ansätze, deren Potential für meinen Geschmack allerdings nicht ganz ausgeschöpft wurde. Doch trotz aller enthaltenen Mankos (zu viele Charaktere, verlierende Spannung, zu viel Drumherum, sehr ausführlich beschrieben) hat mich "Willkommen in Night Vale" zwischendurch gut unterhalten und erhält dafür bescheidene 3 (von 5) Punkte.




 

Sonntag, 10. Januar 2016

[MINI-REZENSION] "Vielleicht morgen"

Cover
Quelle: Piper
Der Autor
Guillaume Musso, geboren 1974 in Antibes, arbeitete als Dozent und Gymnasiallehrer. Musso ist einer der erfolgreichsten Gegenwartsautoren Frankreichs, seine Romane wurden in über zwanzig Sprachen übersetzt und haben sich als internationale Bestseller durchgesetzt.

*Produktinformation*
Broschiert: 480 Seiten
Verlag: Pendo (11. August 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3866123760 / ISBN-13: 978-3866123762
Originaltitel: Demain
Größe und/oder Gewicht: 13,8 x 4,8 x 21,6 cm


Leseprobe
Quelle: piper.de (unter Leseprobe) *lies mich*




Die Geschichte...
Professor Matthew Shapiro wohnt mit seiner kleinen Tochter und seiner Mitbewohnerin April in Boston, da seine geliebte Ehefrau ein Jahr zuvor bei einem Unfall ums Leben gekommen ist. Seitdem hat sich das Leben der Shapiros komplett verändert, denn Matt trauert noch immer um seine verstorbene Frau. Eines Tages kommt er zufällig an einem privaten Flohmarkt vorbei und kauft dort einen gebrauchten und neu aufgesetzten Laptop, der zuvor der verstorbenen Schwester Emma des Verkäufers gehört hat. Doch als Matt den Laptop einschaltet, befinden sich Fotos auf der Festplatte sowie eine E-Mail-Adresse, die er anschreibt. Daraufhin erhält der Dozent die Antwort von Emma, dass sie ihren Computer gar nicht verkauft hätte. Doch wie kann das möglich sein?

Meine Meinung in Kurzfassung:
Kauf-/Lesegrund: Nachdem mir "Nacht im Central" so gut gefallen hat, wollte ich noch einen weiteren Musso lesen.

Reihe: Nein, Einzelbuch

Handlungsschauplätze: Als Schauplätze dienen die amerikanischen Städte Boston und New York, die mit lebendigen Ortsbeschreibungen aufwarten.

Handlungsdauer: Die Story beginnt am 19. November 2011 und endet am 21. Dezember 2011.

Hauptpersonen: Matthew Shapiro, 43, unterrichtet in Harvard Philosophie und lebt mit seiner 4 1/2 jährigen Tochter Emily in Boston. Der attraktive Professor leidet seit dem tragischen Unfalltod seiner Frau, doch sein neu erworbener Computer bringt ihn auf andere Gedanken... Emma Lovenstein, 33, arbeitet als Sommeliére in der Bar des Restaurants "Imperator" in New York und liebt ihre Arbeit in dem Sternerestaurant. Die braunhaarige Frau mit den grünen Augen ist Single und erhält eines Tages eine seltsame E-Mail von einem gewissen Matthew Shapiro... Matt und Emma sind interessante und facettenreiche Protagonisten mit Ecken & Macken.

Nebenfiguren: Die Nebencharaktere wie April Ferguson (die rothaarige Sexbombe leitet eine Galerie mit Schwerpunkt erotische Kunst ist lesbisch und Matts Mitbewohnerin), Romuald Leblanc (der 16 jährige pummelige Franzose ist ein Computergenie und macht im "Imperator" ein Praktikum) sowie diverse Kollegen und Freunde sind gut ausgearbeitete Persönlichkeiten, die sich ansprechend in die Handlung einfügen.

Romanidee: Reizvolle Grundidee, die solide umgesetzt wurde. Hier spielen Liebe, Schicksal, Trauer und Verlust eine große Rolle.

Erzählperspektiven: Die temporeichen Geschehnisse werden vorwiegend abwechselnd aus der Sicht von Emma und Matt (in der 3. Person) erzählt, wobei man zwischen Boston und New York bzw. zwischen dem Jahr 2010 und 2011 hin und her springt. Zwischendurch schildern einige Nebenfiguren die Begebenheiten aus ihrer Warte und durch die Rückblenden, die uns ins Jahr 1991 führen, lernen wir die aktuellen Ereignisse besser verstehen.

Handlung: "Vielleicht morgen" wartet mit einer abwechslungsreichen, etwas verworrenen Story samt verschiedenen Erzählperspektiven und miteinander verwebenden Handlungssträngen, einigen Irrwegen, unerwarteten Wendungen und Turbulenzen auf. Das Buch beginnt wie eine mögliche Liebesgeschichte, ändert aber irgendwann die Richtung und geht danach fast als Psycho-Thriller mit leichten Science Fiction-Elementen durch. Manchmal tritt die die Handlung auf der Stelle und wird dann überraschend wieder spannend. Da sich dieser Roman oft in Nebensächlichkeiten verzettelt und kleine Längen birgt, zieht sich der Roman streckenweise und bremst den Lesefluss etwas.

Schreibstil & Co:  Vervollständigt wird "Vielleicht morgen" durch die ausdrucksstarke Schreibweise, unterhaltsame Dialoge und Kapitel in angenehmer Länge.

FAZIT:
"Vielleicht morgen" ist für meinen Geschmack nicht das beste (aber auch nicht das schlechteste) Buch von Guillaume Musso und hat mich nicht komplett überzeugt. Trotz aller Mängel ist "Vielleicht morgen" angesichts der ungewöhnlichen Story, den interessanten Charakteren und des emotionsgeladenen Schreibstils ein lesenswertes Buch, weshalb ich an dieser Stelle bescheidene 4 (von 5) Punkte vergebe.


Mittwoch, 26. August 2015

[MINI-REZENSION] "Das Institut der letzten Wünsche"

Cover
Quelle: Droemer Knaur
Die Autorin
Antonia Michaelis, 1979 geboren, begann bereits als Kind zu schreiben. Sie ist eine renommierte Autorin von zahlreichen Büchern und Theaterstücken für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Ihr Roman „Der Märchenerzähler“ wurde für den Deutschen Jugendbuchpreis und den Buxtehuder Bullen 2012 nominiert. Antonia Michaelis lebt mit ihrer Familie in einem Dorf nahe der Insel Usedom.

*Produktinformation*

Gebundene Ausgabe: 496 Seiten
Verlag: Knaur HC (1. April 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3426653656 / ISBN-13: 978-3426653654
Größe und/oder Gewicht: 14,6 x 4 x 21,8 cm


Leseprobe
Quelle: bic-media.com  *lies mich*
 
 
Die Geschichte...
Mathilda hat einen nicht ganz alltäglichen Arbeitgeber: Sie arbeitet für das "Institut der letzten Wünsche", das todkranken Menschen ihren letzten Herzenswunsch erfüllt - sei es ein Ausritt auf einem Pferd, Weihnachten im Hochsommer zu feiern, einen Spieleabend mit Studenten zu erleben oder Maria Callas noch einmal singen zu hören. Nichts scheint für Mathilda und ihre Chefin Ingeborg, eine ehemalige Oberärztin in der Onkologie, unmöglich zu sein. Es gibt nur 2 Regeln: Die Klienten müssen voraussichtlich innerhalb der nächsten 6 Monate versterben und die Institut-Mitarbeiterinnen dürfen sich nie in ihre Kunden verlieben. Doch genau das passiert Mathilda, als sie Birger trifft. Birger möchte unbedingt vor seinem Tod noch einmal seine frühere Freundin und ihr gemeinsames Kind sehen - und Mathilda verliebt sich Hals über Kopf in den hageren Rechtsanwalt...

Meine Meinung in Kurzfassung:
Kauf-/Lesegrund:  Wegen des vielversprechenden Klappentextes und des hübschen Covers wollte ich "Das Institut der letzten Wünsche" unbedingt lesen, da mich bereits "Der Märchenerzähler" begeistert hat.

Reihe: Nein, Einzelbuch

Handlungsschauplatz: Der Schauplatz wurde nach Berlin verlegt.

Handlungsdauer: Die Handlung beginnt im März und umfasst mehrere Monate.

Hauptpersonen: Mathilda  Nielsen ist 25 Jahre jung, Single und idealistisch veranlagt, weshalb sie im Berliner "Institut der letzten Wünsche" den richtigen Job gefunden hat. Dort erfüllt sie sterbenden Menschen ihren letzten Wunsch und scheint er auch noch so groß. Der 40-jährige Jurist Birger Raavenstein ist unheilbar krank und wünscht sich sehnlichst, seine frühere Freundin Doreen Taubenfänger und ihr gemeinsames Kind zu sehen. Mathilda ist auf Anhieb von Birger fasziniert und entwickelt Gefühle für den älteren Mann, die nicht sein dürfen... Mit Mathilda und Birger hat die Autorin interessante und authentische Protagonisten mit einigen Macken, Ecken und Kanten geschaffen, deren Handlungen und Taten (für mich) nicht immer ganz nachvollziehbar sind.

Nebenfiguren: Die mitwirkenden Nebencharaktere wie Ingeborg Wehser (die Institut-Gründerin hat früher als Ärztin in der Onkologie gearbeitet und mit den letzten Wünschen eine Marktlücke gefunden), der geheimnisvolle Junge mit den blauen Haaren und der Gitarre sowie diverse Kunden wie Jakob Mirusch (der pensionierte Uhrmacher wünscht sich einen Spieleabend in einer Studenten-WG), Herr Schmidt (der früher beim Radio gearbeitet hat und noch einmal eine Radiosendung moderieren möchte) und Ewa Kovalska (die alte Dame möchte noch einmal die Callas singen hören) sind reizvolle Persönlichkeiten, die sich trotz ihrer Vielzahl gut in die Handlung einfügen.

Romanidee: Originelle Romanidee, hier geht es um todkranke Menschen, deren letzter Wunsch erfüllt werden soll, damit sie glücklich sterben können.

Erzählperspektive: Die temporeichen Geschehnisse werden aus der Sicht von Mathilda (in der 3. Person) erzählt, die uns an ihrer Gefühls- und Gedankenwelt teilhaben lässt. Doch ich muss gestehen, dass der Funke nicht übergesprungen ist und mich Mathildas Erzählung nicht überzeugen konnten.

Handlung: "Das Institut der letzten Wünsche" birgt eine interessante, aber auch langatmige und spezielle Story rund um die Erfüllung letzter Herzenswünsche mit allerlei Überraschungen, Wirrungen und einigen amüsanten, aber auch vielen traurigen und ernsten Passagen. Der Plot enthält allerdings auch viele Längen und sehr ausschweifende Schilderungen, die den Lesefluss häufig bremsen und die Lust auf den knapp 500 Seiten starken Roman nehmen.

Schreibstil & Co:  Abgerundet wird dieser Roman durch die ausdrucksstarke Schreibweise und die malerischen Beschreibungen, die mir fast am besten gefallen haben.

FAZIT:
"Das Institut der letzten Wünsche" erzählt eine reizvolle Geschichte über ein ernstes Thema, das zum Nachdenken anregt, mich aber leider nicht ganz erreicht hat. Der neueste Roman von Antonia Michaelis ist teilweise eine recht zähe Angelegenheit und trifft nicht meinen Lesegeschmack und hat mich auch nicht zu Tränen gerührt. Deshalb gibt es von mir solide 2 1/2 (von 5) Punkte.



Mittwoch, 19. August 2015

[MINI-REZENSION] "Gargoyle"


Cover
Quelle: Berlin Verlag
Der Autor
Andrew Davidson wurde 1969 in Pinawa, Kanada, geboren. Nach seinem Literaturstudium an der University of British Columbia lebte er mehrere Jahre in Japan. Sein Debütroman Gargoyle wurde bereits vor Erscheinen in 26 Länder verkauft und stieg sofort in die New York Times-Bestsellerliste ein.

*Produktinformation*
Taschenbuch: 576 Seiten
Verlag: Berlin Verlag Taschenbuch (21. August 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3833306688
ISBN-13: 978-3833306686
Größe und/oder Gewicht: 11,9 x 4 x 18,7 cm


Leseprobe
Quelle: media.libri.de  *lies mich*



Die Geschichte...
Ein Mann überlebt einen Autounfall mit knapper Not und verbrennt bis zur Unkenntlichkeit. Während des langwierigen Krankenhausaufenthaltes hadert er mit sich und der Welt - und hat nur einen Wunsch: Sobald er entlassen wird, will er Selbstmord begehen. Doch soweit kommt es nicht, denn eines Tages bekommt er in der Klinik Besuch von der scheinbar verwirrten Bildhauerin Marianne Engel. Die wunderschöne Künstlerin steinerner Gargoyles ist eine interessante Erscheinung, sie erzählt dem Verbrennungsopfer eine Geschichte aus vergangenen Tagen und behauptet, sie seien im Deutschland des 14. Jahrhunderts ein Liebespaar gewesen. Immer öfter besucht ihn Marianne und schildert dabei neue Gegebenheiten aus längst vergangenen Tagen. Ist diese Frau verrückt oder erzählt sie ihm die unfassbare Wahrheit?

Meine Meinung in Kurzfassung:
Kauf-/Lesegrund: Da mir dieses Buch beim Umsortieren meines Bücherregals in die Hände gefallen ist, wollte ich wissen, ob mir "Gargoyle" noch so gut wie vor einigen Jahren gefällt.

Reihe: Nein, Einzelbuch

Handlungsschauplätze: Die vorkommenden Schauplätze wurden so lebendig gestaltet, das man sich alles wunderbar vorstellen kann.

Handlungsdauer: Die Geschichte beginnt an einem Karfreitag und dauert mehr als ein Jahr.

Hauptpersonen: Der namenlose Protagonist, ein 35-jähriger Atheist, der eine lieblose Kindheit bzw. Jugend voller Gewalt, Drogen & Sex und eine Karriere in der Pornobranche hinter sich hat, erlebt diese fast unwirklichen Begebenheiten in einem Strudel aus den unterschiedlichsten Gefühlen, wie Wut, Zorn oder auch Resignation. Denn er denkt, dass er vor dem Unfall schön und begehrenswert war und nun nur noch ein verbranntes Stück Fleisch ist.... Obwohl es mir manchmal schwer gefallen ist, mich mit dem Protagonisten zu identifizieren, ist die Hauptperson eine höchst interessante und facettenreiche Persönlichkeit mit Ecken & Kanten.

Nebenfiguren: Als der Protagonist seinen Selbstmordgedanken nachhängt, taucht die gläubige, geheimnisumwitterte Bildhauerin Marianne Engel auf und bringt ihn mit ihren Erzählungen über den Schmied Francesco und seine Frau Graziana, das englische Ehepaar Vicky und Tom Wennington, den isländischen Krieger oder die japanische Glasbläserin Sei auf andere Gedanken. Und in der Gegenwart helfen die japanische Physiotherapeutin Sayuri Mizumoto, der Psychiater Dr. Gregor Hnatiuk und die Verbrennungsspezialistin Dr. Edwards, um den Verbrennungsopfer den Weg in ein neues Leben zu ebnen.
Auch die mitwirkenden Nebencharaktere wurden als reizvolle und vielschichtige Figuren herausgearbeitet, die sich harmonisch in das Geschehen einfügen. 

Romanidee: Interessante Grundidee, die ansprechend umgesetzt wurde. Etwas Vergleichbares habe ich bisher noch nicht gelesen und das will bei mir (mit durchschnittlich 200 gelesenen Büchern pro Jahr) etwas heißen.

Erzählperspektiven: Abwechselnd erzählen der (anfangs etwas unsympathisch wirkende) namenlose Mann und Marianne Engel jeweils aus ihrer Sicht (in der Ich-Form) einen Großteil der Geschichte. Doch auch die Nebencharaktere kommen zu Wort und erzählen das Erlebte aus ihrer Perspektive.

Handlung: "Gargoyle" ist keine leichte Kost und lässt sich nicht in eine Schublade stecken. Die gelungene Mischung aus Liebesgeschichte, historischem Roman gepaart mit einigen Fantasy-Elementen & Sex-Szenen zieht einen in ihren Sog und lässt den Leser bis zur letzten Seite nicht mehr los. Einige langatmige Passagen und ausschweifende Beschreibungen sind auf den knapp 580 Seiten zwar enthalten, stören aber erstaunlicherweise nicht wirklich (obwohl ich sonst kein Fan von allzu detaillierten Schilderungen bin). "Gargoyle" spart auch nicht mit schonungslosen Details und ekeligen Szenen, für die man teilweise gute Nerven braucht.

Schreibstil & Co:  Abgerundet wird das Erstlingswerk durch den rasanten Schreibstil von Andrew Davidson und die ausdrucksstarke Sprache, wodurch man durch die 576 Seiten fliegt.

FAZIT:
"Gargoyle" hat es auch nach mehreren Jahren wieder geschafft, mich zu unterhalten und zu überzeugen. Beim Lesen verwischen Realität und Fiktion und bieten so dem Leser Abwechslung und großartige Unterhaltung. Mit "Gargoyle" hat Andrew Davidson einen mitreißenden Debütroman erschaffen, der mich fasziniert & berührt hat, wofür ich liebend gern 5 (von 5) Punkte vergebe.