Montag, 9. Januar 2012

[REZENSION] "Und immer wieder Liebe"

Cover
Die Autorin
Paola Calvetti wurde 1958 in Mailand geboren, wo sie auch heute noch lebt. Nach Stationen als Pressesprecherin des italienischen Touring Club und der Mailänder Scala schrieb die renommierte Journalistin für große italienische Tageszeitungen und Frauenmagazine. Alle ihre Romane standen in Italien auf der Bestsellerliste und wurden mit Preisen ausgezeichnet.

Produktinformation
Link zu Amazon
Taschenbuch: 448 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag (15. August 2011)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442475325
ISBN-13: 978-3442475322
Originaltitel: Noi due, come un romanzo
Größe und/oder Gewicht: 18,6 x 11,8 x 3,2 cm

Leseprobe
Quelle: bilder.buecher.de  *es darf gelesen werden*

Die Geschichte...
Mit knapp 50 wagt Emma einen Neuanfang: Sie eröffnet in Mailand die Buchhandlung Lust&Liebe, in der es nur Bücher rund um die Liebe zu kaufen gibt. Ein Geschäft ohne moderne Gerätschaften, dafür mit liebevoller Betreuung, wo man sich wie zu Hause fühlen soll. Beim täglichen Abstauben der Bücher entdeckt sie in einem französischen Exemplar einen Zettel mit dem Name Federico und einer Telefonnummer - und tatsächlich ist dieser Federico Emmas Jugendliebe, den sie 30 Jahre nicht mehr gesehen hat. Nach einem wunderbaren Treffen in Mailand schickt ihr Federico, den seine Arbeit nach New York geführt hat, einen Brief und bittet sie, mit ihm per Brief in Kontakt zu bleiben, da Emma E-Mails und SMS verabscheut. Und so beginnt ein außergewöhnlich leidenschaftlicher Briefwechsel zwischen zwei Menschen und zwei Postfächern. Doch können ihre Gefühle die Entfernung zwischen New York und Mailand überdauern? **ACHTUNG SPOILER** Voller Zuneigung, Herzenswärme und Leidenschaft schreiben sich die Beiden das ganze Jahr über, bis sie sich jeweils am 10. April, dem Tag ihres ersten Wiedersehens, für ein paar Tage in aller Abgeschiedenheit treffen und ihre Gefühle füreinander ausleben. Doch kann diese Beziehung gut gehen? Denn Federico ist seit vielen Jahren verheiratet und verheimlicht seiner Frau diese besondere Verbindung... **SPOILER ENDE**

Meine Meinung:
"Und immer wieder Liebe" ist eine Huldigung an die Liebe zu Büchern und die Liebe im Allgemeinen. Die Geschichte beginnt im April 2001 und endet im April 2006, Haupt-Schauplätze sind Mailand und New York.

Emma ist zu Beginn der Geschichte 49, Federico 50 Jahre jung. Emma Valentini erbt von ihrer Tante ein Ladenlokal und eröffnet dort die Buchhandlung Lust&Liebe, wo es Abteilungen mit solch klingenden Namen wie "gebrochene Herzen", "Liebe auf Eis" und "Behausungen der Liebe" gibt. Die Buchhändlerin mit Herz ist 1,65m "groß", geschieden und hat einen 17-jährigen Sohn namens Mattia. Federico Virgili ist Architekt aus Leidenschaft und arbeitet in New York. Anders als Emma ist der 1,80 m große attraktive Federico verheiratet und Vater der 13-jährigen Sarah. Die Charaktere sind facettenreich angelegt und sicher interessante Persönlichkeiten, obwohl ich mich darin nicht wiedererkennen kann. Vielleicht liegt es auch daran, dass mir noch einige Jährchen auf die 50 fehlen bzw. dass mir Klassiker in Buchform nicht liegen...

Denn normalerweise kann ich mich auf die Buchtipps von Kossi blind verlassen, doch in diesem Fall  schafft es die Buchblogger-Ikone leider nicht, mich zu überzeugen. Mit den Protagonisten kann ich mich leider nicht identifizieren und die Briefe sind manchmal so langatmig, dass ich das Buch zwischendurch am liebsten beendet hätte. Spaß am Lesen sieht bei mir anders aus!

Immer wieder nennt Ich-Erzählerin Emma in ihren Briefen Bücher, die sie bewegen und zum Inhalt der geschriebenen Worte passen. Das sind allerdings vorwiegend Literaturklassiker wie "Der geheime Garten" von Frances Burnett, "Der englische Patient" von Michael Ondtaatje, "Frühstück bei Tiffany" von Truman Capote und "Anna Karenina" von Leo Tolstoi, aber auch neuere Werke wie z.B. "Solange du da bist" von Marc Levy oder "Schokolade zum Frühstück" von Helen Fielding finden Erwähnung. Die Briefe von Emma & Federico berichten von Alltagsdingen, ihren Erlebnissen, Gedanken und Gefühlen. Und für Emma fühlt es sich fast an, als wäre sie die weibliche Hauptfigur in einem ihrer Liebesromane.

So schön ich die Romanidee finde, gefällt mir andererseits die Umsetzung weniger. "Und immer wieder Liebe" birgt neben wunderbar bildhaften Beschreibungen auch etliche ausführlich ausgeschmückte Szenen, was leider den Lesefluss bremst.  Ein wenig gewöhnungsbedürftig sind die fehlenden Kapitel-Unterteilungen, woran man sich mit der Zeit allerdings gewöhnt. Die Geschichte besteht im Großen & Ganzen aus dem Briefaustausch, zwischendurch erzählt Emma aus ihrem Leben.

Die ersten 100 Seiten dieses Liebesromans sind richtig interessant gestaltet, danach geht es stetig bergab. Die ganze Story rund um dieses, durch einen Ozean getrenntes, Paar lässt mich unerwarteterweise gefühlsmäßig ziemlich kalt und ich musste mich seitenweise richtig durchkämpfen, da ich wissen wollte, wie diese Geschichte ausgeht. Der Schreibstil von Paola Calvetti wirkt auf der einen Seite fast schon poetisch, auf der anderen Seite etwas altmodisch.

FAZIT:
"Und immer wieder Liebe" hat es aus verschiedenen Gründen leider nicht geschafft, mich in seinen Bann zu ziehen. Ich konnte weder etwas mit den Hauptpersonen noch mit dem gefühlsintensiven Briefwechsel zwischen Emma und Federico anfangen. Wer literarische Klassiker liebt und wem eine leicht verstaubte Schreibweise nichts ausmacht, der wird "Und immer wieder Liebe" wahrscheinlich mögen. Schade, aber dieser Liebesroman ist nicht für mich gemacht, weshalb ich nur mit "Augenzudrücken" 2 (von 5) Punkten vergeben kann.




ZITAT Seite 11:
"Staubwolken wirbeln durch die Luft und provozieren im Synkopenrhythmus allergische Niesanfälle. Dennoch ist diese Tätigkeit (Anm.: das Staubwischen der Bücher) eine notwendige Gymnastik und der Staubwedel ein treuer Verbündeter. Er pflegt den Kontakt zu Titel und den Schriftstellern, bringt Buchcover in Erinnerung, schielt auf die Inhaltsangaben im Klappentext, spürt verloren geglaubte Exemplare wieder auf, gräbt die zu Unrecht vergessenen wieder aus. Der stumme Morgenappell ist ein Willkommensgruß an die Neuheiten, eine Form der Vertraulichkeit mit Romanen, die ich noch nicht kenne, eine Möglichkeit, Romane jenseits der Grenzen von Genres, Jahrhunderten und Schauplätzen miteinander in Verbindung zu bringen." (Emma)

ZITAT Seite 39:
"Der einzige Rat, den man einer Person in Sachen Literatur geben kann, ist, niemals einen Rat anzunehmen, sondern seinem Instinkt zu folgen, sein Gehirn zu benutzen und selbst zu einem Urteil zu gelangen." (Federico)

ZITAT Seite 79:
"Kindheit und Erfahrungen in der Liebe sind der beste Weg, um einen Menschen zu verstehen." (Emma)

Keine Kommentare:

Kommentar posten

Ich freue mich sehr über (ernstgemeinte) Kommentare zu meinen Posts. Immer heraus mit eurer Meinung...

Büchersüchtige Grüße,
Sabine