Samstag, 28. Januar 2012

[REZENSION] "Im Kühlfach nebenan" (Band 2)

Cover
Die Autorin
Jutta Profijt wurde1967 in Ratingen geboren. Mit ihren Romanen über den prolligen Geist Pascha und den schüchternen Rechtsmediziner Dr. Gänsewein eroberte sie eine riesige Fangemeinde und wurde mit 'Kühlfach 4' (dtv 21129) für den Friedrich-Glauser-Preis 2010 nominiert. Die freie Autorin lebt in der niederrheinischen Provinz.

Produktinformation
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Taschenbuch: 288 Seiten
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (1. Dezember 2009)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3423211857
ISBN-13: 978-3423211857
Größe und/oder Gewicht: 19,2 x 12 x 2 cm

Leseprobe
Quelle: bilandia.de  *Lesevergnügen*

Alle, die diese Serie noch lesen möchten und die Vorgängerbände nicht kennen, sollten an dieser Stelle besser nicht weiter lesen!

Die Geschichte...
Obwohl Paschas wahre Todesursache aufgeklärt wurde, geistert seine Seele noch immer ruhelos umher. Martin liegt seit seinem letzten Abenteuer im Krankenhaus und dort, genauer gesagt in der Kapelle, trifft der tote Autoknacker auf die Ordensschwester Marlene, die bei einem Brand im Kloster ums Leben gekommen ist und nun den Weg in den Himmel sucht. Pascha ist über Gesellschaft sehr erfreut, auch wenn Marlene auch eher Masseweib statt Rasseweib ist. Als ihm die Nonne vom Klosterbrand erzählt,  fühlt Pascha, dass bei dem Klosterbrand etwas faul ist und so machen sich die rastlosen Seelen gemeinsam mit dem krankgeschriebenen Rechtsmediziner und seiner Freundin Birgit daran, Licht ins Dunkel zu bringen...

Meine Meinung:
"Im Kühlfach nebenan" (also in Kühlfach Nr. 5) liegt nun die Nonne Marlene und so heißt auch 2. Band dieser außergewöhnlichen Buchreihe rund um Martin Gänsewein & Pascha. Hier bekommt Pascha Gesellschaft einer weiteren Seele. Als Schauplatz dient abermals Köln. "Im Kühlfach nebenan" knüpft direkt an die Ereignisse des Vorgängers "Kühlfach 4" an. Die Story beginnt im April und endet im Mai.

Pascha und Martin ermitteln weiter und bekommen himmlische Verstärkung in Form von Ordensschwester Marlene... Dr. Martin Gänsewein, der konservative Rechtsmediziner mit einem fatalen Hang zu seiner Ente und alten Stadtplänen, liegt anfangs im Krankenhaus und wird danach krankgeschrieben, um sich vom den Blessuren des letzten Abenteuers zu erholen. Endlich hat ihn die hübsche Birgit "erhört" und ist nun seine feste Freundin, doch statt die weibliche Aufmerksamkeit genießen zu können, stört der lästige Geist Pascha immer wieder die traute Zweisamkeit. Und so fasst Martin einen Plan: Er muss Pascha loswerden. Doch da hat er nicht mit seinem körperlosen Anhängsel gerechnet... *lach* Pascha/Sascha Lerchenberg war in seinem kurzen Leben ein begnadeter Autoknacker und hat als echter Prolet einen unerschöpflichen Wortschatz, wobei sein Lieblingsausdruck "voll peino" (also furchtbar peinlich) ist. Warum er noch immer als elektromagnetische Anomalie (so nennt das Martin) auf der Erde herumirrt, kann ihm niemand sagen. Und so ist er froh, dass er die Bekanntschaft von Schwester Marlene von den Liebvollen Schwestern der Heiligen Maria von Magdala und sich etwas ablenken kann. Denn die zu Lebzeiten kleine, dicke Nonne ist bei einem Brand ihres Klosters in Mariental ums Leben gekommen und Schwester Martha wurde schwer verletzt. Pascha wittert, dass da etwas nicht mit rechten Dingen zugegangen sein kann und macht sich an die Aufklärung der Brandursache...

Wie schon im Vorgängerband erwähnt, treffen hier total unterschiedliche Charaktere aufeinander, was wahrscheinlich auch den Reiz dieser schrägen Buchserie ausmacht. Die mitwirkenden Protagonisten sind sehr reizvolle, facettenreiche Persönlichkeiten, die hervorragend ausgearbeitet wurden und durchgängig authentisch agieren. Alle haben ihre sympathischen Macken sowie Ecken & Kanten, was sie sehr liebenswert macht.

Auch wenn sich Martin schon an die Gegenwart von Pascha gewöhnt hat, geht ihm der proletenhafte Geist mit dem losen Mundwerk doch oft auf die Nerven und so versucht der Rechtsmediziner ihn loszuwerden, was für Erheiterung sorgt. Diesmal spielt Dr. Gänsewein nicht so eine tragende Rolle wie in "Kühlfach 4", denn im 2. Band der Kühlfach-Reihe liegt der Fokus eher auf Marlene und der Aufklärung ihres Todes. Was ich nicht so schlimm finde, denn Marlene ist eine interessante Protagonistin mit vielen Talenten.

"Im Kühlfach nebenan" wartet mit einer großartigen Romanidee auf, die hervorragend umgesetzt wurde und nur ein paar klitzekleine Längen beinhaltet. Allerdings würde ich die Kühlfach-Bücher nicht als typische Krimis bezeichnen, sondern eher als eine äußerst reizvolle Mischung aus spannungsgeladenen & humorvollen Elementen. Die skurrile Story steckt voller Überraschungen und zieht seine Leser in ihren Bann, sobald man das Buch aufgeschlagen hat. Ich-Erzähler Pascha bzw. seine herumschwirrende Seele schildert die aufregenden Begebenheiten locker-flockig, was für Erheiterung sorgt. Was Pascha an Wortkreationen so heraushaut, hat mich oft zum Lachen gebracht. So findet er zum Beispiel schnell etwas voll peino, sagt zum Weihrauch Katholikenjoint, nennt das Krankenhaus Bettpfannenbunker oder bezeichnet das menschliche Gehirn als Denkschüssel.

Obwohl Pascha ein Prolet ist, wie er im Buche steht, schließt man ihn doch schnell ins Herz und fühlt mit ihm mit. Diese Geschichte lebt natürlich vorwiegend von der Situationskomik, dem vorherrschenden Wortwitz und den wirklich köstlichen Dialogen zwischen den Hauptpersonen, die mit viel Sarkasmus und schwarzem Humor verfeinert wurden. Diesen speziellen Humor muss man allerdings mögen, was bei mir der Fall ist. Wie bereits im Vorgängerband bekrittelt, hätten auch hier die Kapitel kürzer sein dürfen, doch das gleicht die saloppe Schreibweise von Jutta Profijt wieder aus, durch den die 288 Seiten schnell gelesen sind.

FAZIT:
Mit "Im Kühlfach nebenan" geht das Detektivspiel mit dem ungleichen Gespann Pascha & Martin Gänsewein in eine weitere Runde. Obwohl der 2. Band der Kühlfach-Reihe meiner Meinung nach einen Tick schwächer als sein Vorgänger "Kühlfach 4" ist, so hat mich die originelle Story mit den ungewöhnlichen Hauptpersonen und dem wunderbar amüsanten Wortwitz ausgezeichnet unterhalten. So vergebe ich für den 2. Kühlfach-Band bescheidene 5 (von 5) Punkte und freue mich auf den Nachfolgeband "Kühlfach zu vermieten".




ZITAT Seite 7:
"Mein Name ist Pascha Lerchenberg und ich wurde im rattenkalten Februar dieses Jahres im zarten Alter von vierundzwanzig Jahren ermordet. Meine Seele verließ den Körper, fand aber den Tunnel ins Licht nicht und schimmelt seitdem hier herum."

ZITAT Seite 60/61:
"Das Wort Konfliktpotential habe ich aus einer Fernsehsendung für Möchtegern-Psychologen. Solche Formate, wie sich der Blödsinn nennt, schießen aus dem Boden wir der Fußpilz im öffentlichen Schwimmbad. Ein Kindermädchen erklärt Eltern, wie sie ihre missratene Brut erziehen sollen, ein Geldzähler verkündet staunenden Familien, dass sie nicht mehr Geld ausgeben können, als sie haben, und neuerdings gibt es nun auch noch eine dralle Blondine, die Paare in ihrer Beziehungsarbeit berät. Völlig unnötig, meiner Ansicht nach. Es gibt drei einfache Regeln, deren Befolgung für eine funktionierende Beziehung ausreicht. Will die Tussi labern, mach die Horchklappen zu und lass sie labern. Will sie zipfeln, gib's ihr. Will sie nicht, such dir'ne neue. Eigentlich ganz simpel."

ZITAT Seite 274:
"Mir wird schlecht, wenn ich Elektrikern bei der Arbeit zusehe. Sie häkeln irgendwelche bunte Strippen zusammen, stecken Drähte in winzige Klemmverbindungen, die an Legosteine erinnern, fummeln mit kleinen Stromprüfdildos in Steckdosen oder sonstigen Anschlüssen herum und scheinen, das macht mich besonders kirre, sie scheinen echt zu wissen, was sie tun."


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Büchersüchtige Grüße,
Sabine