Dienstag, 14. September 2010

[REZENSION] "Das Verlies" (Band 7)

Für alle, die heute noch etwas von mir lesen möchten, eine "alte" Rezension aus dem Hause Franz. Ich bin ein Fan dieser Serie...


Cover
Der Autor
Andreas Franz wurde 1954 in Quedlinburg geboren, arbeitete als Übersetzer für Englisch und Französisch und war jahrelang als Schlagzeuger tätig. Seine große Passion aber ist das Schreiben. Er ist der Autor der spannenden Reihe um Kommissarin Julia Durant und ihr Team. Andreas Franz ist verheiratet und hat fünf Kinder.

Produktinformation
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Taschenbuch: 459 Seiten
Verlag: Droemer/Knaur; Auflage: 1 (1. August 2004) 
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3426624451
ISBN-13: 978-3426624456
Größe und/oder Gewicht: 17,6 x 11,6 x 3 cm

Leseprobe
Quelle: Droemer Knaur  *hier wird gelesen*


Alle, die diese Serie noch lesen möchten und die Vorgängerbände nicht kennen, sollten an dieser Stelle besser nicht weiter lesen!
 
Die Geschichte....
Quelle: Andreas Franz
Wieder einmal muss Julia Durant ermitteln. Rolf Lura, Eigentümer eines exklusiven Autohauses, verschwindet spurlos, nachdem er morgens wie immer gegen acht Uhr das Haus verlassen hat. Seine Frau, die ständig unter seinen Launen zu leiden hat, für die Prügel, Vergewaltigung und Misshandlung fast zum Alltag gehören, kann sich nicht erklären, wo ihr Mann, der überaus pflichtbewusst ist, abgeblieben sein könnte. Es wird eine Vermisstenanzeige aufgegeben, Julia Durant und Frank Hellmer suchen Gabriele Lura auf, die jedoch keine hilfreichen Angaben machen kann. Am Abend wird das Auto des Vermissten gefunden, es ist nicht abgeschlossen. Der Verdacht drängt sich auf, dass Gabriele Lura etwas mit dem Verschwinden ihres Mannes zu tun haben könnte, aber es gibt nicht einen einzigen Hinweis darauf. Als sich die Beamten am nächsten Morgen im Autohaus umhören, erzählt eine Angestellte aus der Buchhaltung der Kommissarin eine Geschichte, die den Saubermann Lura plötzlich in einem völlig anderen Licht erscheinen lässt.

Meine Meinung:
Auch der 7. Krimi mit der Ermittlerin Julia Durant handelt von einem brisanten Thema – diesmal Gewalt. Vor allem Gewalt in der Ehe, aber auch Gewalt und Misshandlungen gegen Frauen und die damit verbundene Hilflosigkeit.

Am Anfang der Geschichte stehen die Ermittler des K11 vor einem großen Problem: Der erfolgreiche Frankfurter Autohausbesitzer und scheinbar liebevolle Familienvater Rolf Lura wird entführt. Der Verdacht fällt schnell auf seine Frau, vor allem nachdem sich herausstellt, dass sie seit Jahren von ihrem Mann brutal misshandelt wird und nur wegen des gemeinsamen Sohnes Markus noch nicht aus dieser Ehe geflüchtet ist. Weiters kommt noch heraus, dass Gabriele Lura ein Verhältnis mit dem besten Freund ihres Mannes, Werner Becker, hat.

Die Entführung gibt der Polizei Rätsel auf und als Gabriele Lura und ihr Liebhaber plötzlich tot aufgefunden werden. Rolf Lura dagegen wird verletzt ins Krankenhaus eingeliefert und behauptet, von den beiden Toten entführt worden zu sein. Doch für Julia Durant weist der Fall Lücken auf, die sie mit Hilfe ihrer Intuition zu schließen versucht...

Protagonistin Julia Durant ermittelt auch hier wieder mit Bauchgefühl und Köpfchen. Leider erfährt man im 7. Band nicht allzu viel Neues aus ihrem Privatleben. Die sympathische Kommissarin ernährt sich noch immer ungesund, raucht zuviel und außerdem weiterhin Single.
Bei ihren Kollegen tut sich ebenfalls wenig: Julia´s Partner Frank Hellmer ist noch immer glücklich mit Nadine verheiratet und auch beim Rest der Truppe ist alles beim Alten. Ein wenig mehr aus dem Privatleben der Ermittler hätte ich gern gelesen, aber vielleicht werden meine Gebete beim 8. Band erhört.

Und die Nebencharaktere haben es auch in sich. Bei Rolf (von seiner dominanten Mutter auch Rolfi genannt) und seinem Verhalten läuft mir eine Gänsehaut den Rücken hinunter und die restliche Familie ist nicht weniger problembehaftet.
**Achtung SPOILER**  Zum Lesen bitte Textstelle markieren
Bruder Wolfram ist ein arbeitsloser Alkoholiker, der schon immer von seinem Bruder untergebuttert wurde. Die Mutter ist äußerst dominant und erdrückend und der Vater ein schwacher Mann, der sich von seiner Frau unterbuttern lässt.
Rolfis Frau Gabi wird ebenfalls als willensschwach hingestellt und lässt irgendwie die Gewalttaten über sich ergehen. Der 12-jährige Sohn Markus bekommt das natürlich alles mit und stürzt nach dem Tod seiner geliebten Mutter in ein tiefes Loch.

Und zu guter Letzt ist da Rolf(i), ein Psychopath wie er im Buch steht. Seit seiner Kindheit versteht er es meisterhaft, sich selbst zu verletzen und andere zu manipulieren. Neben seiner Frau (einer Pianistin, der er den kleinen Finger gebrochen hat, damit sie nicht mehr spielen kann *irre*) hatte er eine Reihe Gespielinnen, bei denen er sich nach seinen Brutalitäten immer mit Geld das Schweigen erkauft hat. Dabei verschlägt es einem die Sprache und man hofft, so einem Menschen niemals in Natura zu begegnen. Da tun sich wahre Abgründe auf…
Alles in allem versteht es Andreas Franz immer wieder meisterhaft, seinen Figuren menschliche Züge mit allerlei Ecken & Kanten zu geben.

Wie gewohnt, vermischt der Autor ein explosives Tabuthema mit einer rasanten Geschichte, deren Spannungsbogen sich vom Anfang bis zum Schluss spannt und niemals abreißt. Das Tempo, das hier vorgelegt wird, ist beachtlich und es gibt nur ein paar unnötige Längen.
Hauptsächlich wird das Geschehen aus der Perspektive von Julia Durant geschildert, doch auch die übrigen Figuren erzählen ihre Erlebnisse, Gedanken & Gefühle aus ihrer Sicht. Das macht die spannende Geschichte vielschichtig und interessant.

"Das Verlies" ist ein Kriminalroman, der sich sehr flüssig und packend lesen lässt. Außerdem schlägt die Handlung etliche Haken und bietet einige Überraschungen. Teilweise wird die Geschichte aber sehr brutal und man mag kaum glauben, was man da liest.

FAZIT:
Auch der 7. Band aus der Julia Durant-Reihe überzeugt mit tollen Charakteren und einem raffiniert gestrickten Plot. Bis auf die paar überflüssigen Szenen und das mangelnde Privatleben des Ermittlerteams ein nahezu perfekter Krimi. 4 1/2 (von 5) Punkte!


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Büchersüchtige Grüße,
Sabine