Mittwoch, 22. September 2010

[REZENSION] "Der Sünde Sold" (Band 1)

Heute zeige ich euch wieder ein paar Buchwertungen zu bereits (heuer) gelesenen Büchern. Den Anfang macht eine interessante deutsche Krimiserie.

Cover
Die Autorin
Inge Löhnig hat Grafik-Design studiert. Nach einer Karriere als Art- Directorin in verschiedenen Werbeagenturen hat sie sich mit einem Designstudio selbstständig gemacht. Inge Löhnig wohnt mit ihrer Familie in der Nähe von München.

Produktinformation
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Broschiert: 432 Seiten
Verlag: Ullstein TB-Verlag (9. Oktober 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3548268641
ISBN-13: 978-3548268644
Größe und/oder Gewicht: 18,8 x 12 x 2,8 cm
 


Leseprobe
Quelle: Inge Löhnig   *Krimifans hierher*

Denn der Tod ist der Sünde Sold; aber die Gabe Gottes ist das ewige Leben in Christo Jesu, unserm Herrn.
(Römerbrief 5,12) - Zitat aus "Der Sünde Sold"
 
Die Geschichte...
Kaum ist Agnes Gaudera in das idyllische Örtchen Mariaseeon umgezogen, verschwindet der dort lebende Junge Jakob spurlos. Auf diesen Fall wird der Münchner Kommissar Konstantin Dühnfort mit seinem Team angesetzt und die Suche nach dem 5-jährigen Jungen bleibt erfolglos. Bis die zurückhaltende Agnes bei einem Waldlauf zufällig Jakob (nackt auf einem Holzstoß und vollkommen verstört) findet.

Die fieberhafte Suche nach dem Täter und dessen Motiv geht weiter. Denn der Grund der Entführung ist nicht ersichtlich und Jakob wurde nicht missbraucht. Doch kurz darauf geschieht ein weiterer Mord in Mariaseeon und Dühnfort erkennt bald, dass ein –mit religiösen Wahnvorstellungen geplagter- Täter hier sein Unwesen treibt. Denn "Der Sünde Sold ist der Tod" steht in der Bibel – und Sünder gibt es in der kleinen Gemeinde scheinbar viele….
 
Meine Meinung:
Die Geschichte beginnt damit, dass Agnes Gaudera nach dem Feuertod ihres Mannes und ihrer kleinen Tochter in die scheinbare Idylle von Mariaseeon zieht. Doch kurz darauf wird ein Nachbarsjunge vermisst und und das Team um Kommissar Dühnfort macht sich auf die Spurensuche. Indessen findet ein Bittgottesdienst im Ort statt, als Agnes zufällig den kleinen Buben im Wald (nackt auf einer Art Scheiterhaufen gefesselt) entdeckt. Der Fall bleibt ungeklärt und das Polizistenteam um Kommissar Dühnfort fährt bald wieder nach München zurück.
**Achtung SPOILER** Zum Lesen bitte Text markieren
Doch kurz darauf wird Jakob´s Kindergärtnerin Melli –sie ist auch die Nachbarin von Agnes- entführt und tot aufgefunden. 
Aber wo bleibt das Motiv des Täters und wo sind die Parallelen in den beiden Entführungsfällen?
Welche Rolle spielt der pensionierte Lehrer, der anscheinend nicht nur Pflanzen, sondern auch kleine Kinder fotografiert?
Fragen über Fragen, die aber im Laufe der Geschichte geklärt werden…

Anfangs hatte ich leichte Schwierigkeiten, mich in die Handlung einzufinden – denn es passiert nicht wirklich viel. Doch mit Jakobs Auffinden wird es zunehmend spannend und so geht es auch weiter. Da möchte man das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen, weil man unbedingt gemeinsam mit "Tino" Dühnfort den Täter überführen möchte. Bei dem Mörder hatte ich zwar einen Verdacht, aber Frau Löhnig legt gekonnt falsche Spuren und führt die Leser auf Irrwege. Die Hinweise auf den Täter werden im Buch geschickt verstreut, aber genauso die trügerische Fährten.

Das beschauliche bayrische Örtchen Mariaseeon wird so geschildert, dass man Umgebung und seine Bewohner deutlich vor sich sehen kann. Eine gute Umschreibung dazu wäre "atmosphärisch dicht". Zentrale Themen dieses Krimis sind Missbrauch, Rache, Schuld und Sünde.

Mit Kommissar Konstantin Dühnfort hat die Autorin einen liebenswerten Ermittler mit vielen Facetten erschaffen. Dühnfort ist kein "Superman", sondern ein alleinstehender Polizist Anfang 40 mit einem kleinen Wohlstandsbäuchlein, der sich bei seiner Ermittlungsarbeit auch auf seine Intuition verlässt (das gefällt mir auch bei Julia Durant und  Judith Krieger). Dieser Charakter wurde sehr glaubwürdig und realistisch angelegt.

Gut gelungen finde ich auch die Figur der Agnes Gaudera. Die Mittdreißigerin gibt sich die Schuld an dem Tod ihrer kleinen Familie und versucht diese Schuldgefühle und ihr Trauma mit exzessivem Sport, dem Umzug und die Rückkehr in ihren Beruf als Grafikerin zu bewältigen.

Dühnforts Teamkollegen Agnes und Alois werden leider nicht tiefer in die Geschichte eingeführt, sondern bleiben interessante Randfiguren, die durchaus ausbaufähig sind.  Ebenso gefallen mir die Charaktere der Dorfbewohner, die sehr gut herausgearbeitet wurden und manche Geheimnisse schon Jahre und Jahrzehnte mit sich herumschleppen.

Die Geschichte wird aus drei Perspektiven in der Ich-Form erzählt, was ich ganz gern mag:
1. von Kommissar Dühnfort
2. von der traumatisierten Agnes und
3. vom Täter, der uns an seiner (kranken) Gedankenwelt teilhaben lässt, so dass die Leser der Polizei etwas voraus sind.

Der Schreibstil ist mir anfangs etwas langweilig und schleppend erschienen, doch ab dem ersten Drittel gewinnt die Handlung richtig an „Drive“ und lässt einen nicht los. Hier herrschen trotz der brutalen Taten eher "leise Töne" vor, was mir überraschenderweise gut gefällt.

FAZIT:
Mit "Der Sünde Sold" ist Inge Löhnig ein fesselnder Krimiserien-Auftakt gelungen. Zu diesem Gesamtpaket gehören:
*ein packendener Plot mit gut gelungener Umsetzung
*viele überraschende Wendungen
*ein nicht alltäglicher Kriminalfall
*lebendig beschriebene Schauplätze
*sympatische Protagonisten (allen voran Dühnfort)


Wegen der anfänglichen Startschwierigkeiten vergebe ich für dieses tolle Debüt 4 1/2 (von 5) Punkte und freue mich auf den Nachfolgerband "In weißer Stille!


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Büchersüchtige Grüße,
Sabine